Millionenförderung für LMU-Forschung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs
20.02.2026
Zwei Forschende der LMU sind an einem Konsortium der Deutschen Krebshilfe zur Entwicklung von Therapien gegen das Pankreaskarzinom beteiligt.
20.02.2026
Zwei Forschende der LMU sind an einem Konsortium der Deutschen Krebshilfe zur Entwicklung von Therapien gegen das Pankreaskarzinom beteiligt.
Trotz intensiver Forschung ist Bauchspeicheldrüsenkrebs nach wie vor eine der tödlichsten Krebsarten. Obwohl nur rund vier Prozent aller Krebsneuerkrankungen die Bauchspeicheldrüse betreffen, ist diese Tumorentität die vierthäufigste Krebstodesursache in Deutschland.
Im Rahmen des Förderschwerpunkts „Deutsche Allianz Pankreaskarzinom“ finanziert die Deutsche Krebshilfe mit einem Gesamtfördervolumen von 40 Millionen Euro groß angelegte Projekte, die Behandlungsmöglichkeiten und die Prognose von Patientinnen und Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs grundlegend verbessern sollen.
Den Kern der Allianz bilden drei Forschungskonsortien, die an insgesamt 23 universitären Standorten in Deutschland sowie jeweils drei Universitäten der USA und der Niederlande angesiedelt sind. Gemeinsam arbeiten sie daran, das Pankreaskarzinom auf molekularer Ebene besser zu verstehen und daraus neue, personalisierte Therapiekonzepte zu entwickeln.
Professorin Julia Mayerle, Direktorin der Medizinischen Klinik II, und Professor Sebastian Kobold, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie des LMU Klinikums, sind am TUM-geführten Konsortium „Entschlüsselung und therapeutisches Targeting des PDAC-Ökosystems (DEFEAT-PDAC)“ beteiligt und erhalten für ihre jeweiligen Projekte jeweils 800.000 Euro.
Sebastian Kobold | © LMU / Stephan Höck
Im Teilprojekt von Sebastian Kobold beschäftigen sich die Forschenden mit der präklinischen Entwicklung neuer Zell- und Immuntherapien für das Pankreaskarzinom. „Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine sehr aggressive Krebserkrankung mit nur wenig Behandlungsmöglichkeiten“, erklärt der Immunologe. „Gerade Immuntherapien haben in der Krebsbehandlung in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen, spielen jedoch im Pankreaskarzinom keine Rolle.“
Von Bedeutung sei in diesem Kontext die hohe Heterogenität der Erkrankung auf molekularer und immunologischer Ebene. Hier will die LMU-Forschungsgruppe ansetzen. In den kommenden Jahren sollen neue modulare immuntherapeutische Konzepte entstehen, die der Vielseitigkeit des Bauchspeicheldrüsenkrebses besondere Rechnung tragen. „Entscheidend wird die einzigartige kritische Masse von DEFEAT-PDAC in der Modellierung, Analyse und dem Verständnis der Diversität der Biologie des Pankreaskarzinoms sein“, so Kobold. „Dadurch können wir erstmals maßgeschneiderte Immuntherapien entwickeln.“
Julia Mayerle | © Dominik Gierke
Auch Julia Mayerle untersucht in ihrem Teilprojekt, zusammen mit TUM-Professor Roland Rad, neue Therapieansätze für Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Erfolge in der Behandlung des Pankreaskarzinoms konnten zuletzt durch Kombinationstherapien erreicht werden“, erklärt die LMU-Medizinerin. Ihre Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Rolle von komplexen Lipiden für die Entstehung des Pankreaskarzinoms – und wie man die damit zusammenhängenden Stoffwechselprozesse gezielt für die Bekämpfung von Tumoren nutzen kann. Signalwege, die den Lipidstoffwechsel beeinflussen, werden vielfach in der Medizin therapeutisch genutzt. Die Signalübertragung über die Zellmembran hängt stark von deren Zusammensetzung und Fluidität ab.
„Der Aufbau der Zellmembran ist für die Tumorzelle und das Immunsystem besonders relevant“, sagt Mayerle. Ziel des Projekts sei es, die Lipidzusammensetzung der Krebs-Zellmembranen zu charakterisieren und synergistische Therapieansätze für das Pankreaskarzinom zu entwickeln, die den Tumor mit spezifischen Wirkstoffen bekämpfen, die den Zellzyklus und den Lipidstoffwechsel beeinflussen.